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Wir wollten zum Nachdenken anregen Jugendgottesdienst in Herren-Sulzbach

Ein lautes Klirren und Scheppern durchdringt die Stille des hohen Kirchenraums. Die gut achtzig (es waren über 110 wir haben 110 Liedzettel gedruckt und einige bekamen keine mehr) Besucher des Jugendgottesdienstes in Herren-Sulzbach zucken zusammen. Draußen, im Eingang der Evangelischen Kirche steht Johannes Gauch mit beiden Beinen in einer dunkelblauen Plastikkiste. Mit einem hölzernen Baseballschläger zertrümmert er die Reste einer alten Fensterscheibe. „Wir wollten zum Nachdenken anregen und den Besuchern näher bringen, was damals passiert ist.“ Mit damals meint der 19jährige die Ereignisse um die so genannte Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938. In ganz Deutschland wurden Synagogen, jüdische Geschäfte und Häuser niedergebrannt und zerstört. „Auch in Lauterecken und Umgebung“ ergänzt die 12jährige Nicole Kastner, die ebenfalls zum Organisationsteam des Gottesdienstes gehört, das von Diakon Gerold Lofi geleitet wurde.

Initiiert vom Jugendreferat des Kirchenkreises Obere Nahe, dem Evangelischen Jugendverbund Glan und dem Projekt „To(l)leranz – find ich gut“, haben sich 12 Jugendliche aus den Kirchengemeinden Grumbach und Herren-Sulzbach regelmäßig getroffen und fünf Wochen intensiv an dem Thema gearbeitet. Herausgekommen ist ein ungewöhnlicher Gottesdienst mit Rockband, Rollenspiel und einem Apfelbaum, der zum Gedenken vor die Kirche gepflanzt werden soll. Johannes Gauch spielt die Rolle eines Nazis. Mit schwarzen Springerstiefeln wütet er durch den Altarraum, schmeißt Schuhe und Kleider umher und schimpft dabei über die Juden. „Die Rolle war nicht ganz einfach“ gibt er zu. Besonders das freie Sprechen vor der Menge sei ihm schwer gefallen. Mit Unterstützung der anderen sei es aber ganz gut gegangen, fügt er schmunzelnd hinzu. Auch Nicole sind die Gemeinschaft und das Miteinander wichtig und der Grund, warum sie sich in der kirchlichen Jugendarbeit engagiert und beim Jugendgottesdienst mitmacht. „Mir gefällt das sich einbringen.“ betont sie und fügt stolz hinzu, dass sie die Nachwuchsband Freaky Friday organisiert hat, die den Gottesdienst musikalisch begleitet. Mit „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen und einer nachdenklichen Stimmung geht der Jugendgottesdienst zu Ende. Die jugendlichen Organisatoren sind zufrieden. „Außer ein, zwei kleinen Textpatzern ist alles gut gelaufen.“ meint Nicole Kastner. Während sie als letzte die Kirche verlässt, ist Johannes schon ins Bürgerhaus Herren-Sulzbach vorgegangen. Dort findet der Abschluss des Abends statt – mit jüdischem Essen, der Ausstellung „Auf Lastwagen fortgeschafft“ und einer großen Portion Nachdenken.

 

Toleranter Landkreis Kusel: Jetzt Antrag stellen Bis maximal 20.000 Euro für Toleranzprojekte

Der ovale Tisch im großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung ist gut besetzt. Jeder der sechzehn Mitglieder des Begleitausschusses hat einen großen Stapel Papiere vor sich. Darunter auch die ersten fünf Anträge, die beim Projekt „Toleranter Landkreis Kusel“ eingegangen sind. „Nicht schlecht,“ meint Gerold Lofi von der Externen Koordinierungsstelle im Evangelischen Jugendreferat des Kirchenkreis Obere Nahe, „wenn man bedenkt, dass das Projekt erst in den Startlöchern steht.“ Unter den Einreichungen sind eine Gedenkstättenfahrt in das ehemalige Konzentrationslager Dachau, ein Jugendgottesdienst in Herren-Sulzbach und ein Montagskino im Kuseler Mehrgenerationenhaus.

Obwohl alle fünf Projekte die formalen Förderrichtlinien des Bundesprogramms schon erfüllen, nimmt sich der Ausschuss Zeit, um jedes Projekt gründlich zu diskutieren. „Es wichtig, dass der Ausschuss hinter den Projekten steht, die er beschließt.“ ergänzt Gerold Lofi. In der finalen Abstimmung erhält jedes der heute eingereichten Projekte die Zustimmung des Ausschusses. Sie können wie geplant noch in diesem Jahr stattfinden.

Projektanträge für 2012 können ab sofort gestellt werden. Antrags berechtigt sind freie Träger der Jugendarbeit, Vereine, Verbände, Bürgerinitiativen und Kirchengemeinden. Es können bis maximal 20.000 Euro beantragt werden. Weitere Infos bei der Externen Koordinierungsstelle im Evangelischen Jugendreferat des Kirchenkreises Obere Nahe, Tel: 067881289 oder unter www.toleranter-kreis-kusel.de.

 

Toleranter Landkreis Kusel

Neues Bundesprogramm gibt 230.000 Euro für Toleranz- und Jugendprojekte

Mit 84 rechtsextrem- und fremdenfeindlich motivierten Straftaten rangiert die Westpfalz am unteren Ende der bundesdeutschen Kriminalstatistik. Eine erfreuliche Tatsache, die für den Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Lauterecken, Arno Heeling kein Grund ist, sich zurückzulehnen. „Auch wenn die Westpfalz da relativ gut dasteht, ist es wichtig, dass die Präventionsarbeit weitergeht.“ Der erste Polizeihauptkommissar war einer von 40 Teilnehmern, die am Dienstag zum Informationstreffen des Projektes „Toleranter Landkreis Kusel“ in die Fritz-Wunderlich-Halle gekommen waren. Geladen hatten die evangelische Kirchengemeinde Lauterecken gemeinsam mit der Kreisverwaltung Kusel, unterstützt vom Jugendreferat des Kirchenkreises Obere Nahe, das die Koordination des Projektes übernimmt. 230.000 Euro wird der Landkreis Kusel bis Dezember 2013 aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ für Aktionen und Projekte gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus erhalten. Nicht nur freie Träger der Jugendarbeit, sondern alle Akteure der Zivilgesellschaft, also auch Kirchen, Vereine und Bürgerinitiativen können mitmachen und bis zu 20.000 Euro beantragen. Von dem, was mit dem Geld alles gemacht werden könnte, hat Christine Fischer-Schulz, Pfarrerin der Gemeinden Grumbach/Herren-Sulzbach eine genaue Vorstellung. „Ein Ort, an dem sich Menschen unterschiedlicher Kulturen und Herkunft begegnen können.“ Für sie ist eines der Probleme im Landkreis die fehlende Toleranz gegenüber dem Andersartigen. Es mangele an Begegnung und das fange schon bei Kindern an. Sie habe in all den Jahren ihrer Kirchenarbeit nur einmal erlebt, dass ein muslimisches Kind zum Kindergottesdienst gekommen sei und beim Grippenspiel mitgemacht habe, erläutert sie den Kollegen am Tisch. Das im Mai gestartete Projekt setzt daher auf Prävention und die Förderung von zivilem Engagement und demokratischem Verhalten. „Wir wollen dazu beitragen, dass die Jugendlichen im Landkreis zu gefestigten und toleranten Persönlichkeiten heranwachsen,“ bestätigt Projektkoordinator Gerold Lofi vom Evangelischen Jugendreferat in Lauterecken. Gemeinsam mit Kreisjugendpfleger Werner Barthel und einem externen Coach wird er bis Mitte November ein Konzept für die weitere Arbeit entwickeln. Dieser so genannte "Lokale Aktionsplan" orientiert sich an den Bedürfnissen und Problemlagen des Landkreises und wird Grundlage aller Aktionen und Projekte. Mit einfließen werden auch die Ideen, die Arno Heeling und Christine Fischer-Schulz in zwei Stunden Kleingruppenarbeit erarbeitet haben.

Bibelcamp

Da soll noch mal einer sagen, Kinder-Kirche sei nicht kreativ: Am Samstagabend, 10. September 2011, feierten etwa 70 Kinder, 30 Helferinnen und Helfer mit etwa 100 Familienangehörigen und Freunden den Abschlussgottesdienst in der Kappelner Kirche zum diesjährigen Kinderbibelcamp. Thema: „Alle Kinder unserer Welt“. Eineinhalb Tage ging es darum, in Kleingruppen und „Plenum“ Sitten, Lebensstile und Herausforderungen in verschiedener Teile der Welt kennenzulernen: Afrika, Russland, Afghanistan, Brasilien und Australien.

Junge und ältere Gottesdienstgäste waren fasziniert von der prägnanten Präsentation mit begeisternden Basteleien, köstlichen Keksen, lebendigen Liedvorträgen und mutmachenden Mitsingliedern. Die Botschaft von Pfarrerin und Synodalassessorin Christine Fischer-Schulz (Grumbach/ Herren-Sulzbach): Alle Kinder sind unterschiedlich. Gott hat sie alle lieb, nimmt sich für jedes Kind Zeit – so wie es auch von Jesus überliefert ist: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes“ (Markus-Evangelium, Kapitel 10 Vers 14). Natürlich wurde auch für „alle Kinder unserer Welt“ und deren Probleme gebetet.

Die Tradition der Kinderbibelcamps reicht ins Jahr 1996 zurück: 15 Jahre Kooperation zwischen dem Jugendverband Glan mit Diakon und Synodaljugendreferent Gerolf Lofi und den Ev. Kirchengemeinden Grumbach/ Herren-Sulzbach (Christine Fischer-Schulz) und Offenbach/ Wiesweiler/ Niedereisenbach mit dem Pfarrerehepaar Johannes und Freya Hülser. Besonderheit in diesem Jahr: Noch mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, große Mithilfe der Kappelner und mehr Anmeldungen als in den letzten Jahren. Also: „... auf das nächste Jubiläum!“

Abschluss-Gottesdienst zum Kinderbibelcamp 2011 in der Kappelner Kirche:

Pfarrer Johannes Hülser (links), Diakon Gerold Lofi (Mitte), Pfarrerin Christine Fischer-Schulz (rechts) & Team.

Text und Bild: Herr Hess, Öffentlichkeitsreferent Kirchenkreis Obere Nahe

 


Stand: 10.11.2011