Auf den Spuren von Pfarrer Paul Schneider

Auf den Spuren von Pfarrer Paul Schneider, dem Prediger von Buchenwald, unterwegs. 

19.09.

Das Jugendreferat ist mit 12 jungen Menschen,  alle mit einer geistigen Beeinträchtigung, in Weimar,  dem ehemaligen KZ Buchenwald und Erfurt unterwegs.  Die Teilnehmer erfahren bei dieser jugendpolitischen  Bildungsfahrt viel über  Nationalsozialistisches Gedankengut von 1933 - 1945.
So wurde sich gestern Weimar angesehen.  Hier wurde auch auf Martin Luther hingewiesen.  Das Goethe und Schiller Denkmal besichtigt. Heute ist die Gruppe im ehemaligen KZ Buchenwald. Film, Führung und die Dauerausstellung stehen auf dem Programm.

20.09.

Nach einer sehr guten Führung durch das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald durch die Geschäftsführerin des Fördervereins der Gedenkstätte Buchenwald, Frau Klüsendorf, war die Gruppe froh, etwas Ruhe zu haben. Frau Klüsendorf ging sehr gut auf die Jugendlichen ein, in einfacher aber sehr eindringlicher Sprache erklärte sie den jungen Menschen das Lager und das Leben der Häftlinge. Sie ging auf die Fragen und Ängste ein, erklärte die Funktion der Hundezwinger ebenso wie den Apellplatz, die Krankenbaracke, das Lagergefängnis mit der Zelle von Pfarrer Paul Schneider und das Krematorium. Nach 3 Stunden war die Aufmerksamkeit der jungen Menschen ausgeschöpft. Wir beendeten die Führung und fuhren zurück ins Hostel.

Am Abend erfolgte die Tagesauswertung. Durch einfache Fragen wurde der Tag reflektiert. Wir stellten fest, daß sich doch einiges bei den Jugendlichen mit Behinderung verfestigt hat. Mit der Frage: Was hat das mit jedem von uns zu tun, wurde der Tag beendet.

21.09.

Heute war die Gruppe in Weimar mit einer Stadtführerin unterwegs. Neben unserem Thema, dem Nationalsozialismus, spielte auch Martin Luther, Goethe und Schiller eine Rolle. Das Team übersetzte die Erklärungen in leichte Sprache. Nach rund 2,5 Stunden war jedoch die Aufmerksamkeit der jungen Menschen mit Behinderung ausgeschöpft, so dass die Führung beendet wurde. Nach der Mittagspause fuhr die Gruppe ins ehemalige Konzentrationslager Buchenwald um sich die dortige Ausstellung anzusehen. Am Abend erfolgte eine Tagesauswertung im Grppenraum.

22.09.

Auf den Spuren der Nationalsozialisten in Erfurt.

Der Fischmarkt, der Platz vor dem Rathaus, war im Juni zum Besuch von Adolf Hitler voll gehängt mit Hakenkreuzfahnen. Der Platz überfüllt mit Menschen. So stellten die beiden Guides uns diesen Ort vor. Bei ihrer Tour durch Erfurt zeigten sie Orte, die in der Zeit von 1933 - 1945 eine Rolle spielten. So etwa ein Haus in welchem ein jüdischer Arzt und eine deutsche Familie, die ein Bekleidungsgeschäft betrieben, in Freundschaft beieinander wohnten. Durch die Nürnberger Gesetze wurde dies unmöglich gemacht. Ja, sie wurden sogar zu Geldstrafen verurteilt. Beim weiteren Rundgang wurde am Bahnhof auf die Sammeltransporte der Juden von Erfurt in die Vernichtungslager hingewiesen. Unser Stadtrundgang endete bei Topf und Söhne. Hier wurde die ständige Ausstellung zu der Herstellung von Verbrennungsöfen, den Öfen von Buchenwald, Dachau und Auschwitz, besucht und den behinderten Jugendlichen erklärt. Mit einem Auswertungsgespräch am Abend wurde dieser Tag beendet.

Inhalte der inklusiven Juleicaschulung

Hier die Inhalte der inklusiven Juleicaschulung, die unter der Trägerschaft des Kirchenkreises Obere Nahe stattfand.

Die Schulung fand an nachfolgenden Terminen mit den genannten Themen statt und umfasste 100 Unterrichtsstunden:

Modul 1: 27.10. – 01.11.2015, Auf dem Segelschiff

Zur Gruppe werden

Wer wir sind und was wir wollen

Leben in und mit der Gruppe auf dem Segelschiff im Ijsselmeer,

Segeln, planen, organisieren, gestalten

Schwerpunktthemen: Gruppenprozesse, Kommunikation

Modul 2: 20.11. – 22.11.2015, Jugendherberge Thallichtenberg

Medienseminar, Einführung in die Arbeit mit dem Medium Video

Aufnahmeformate, Technik, Video drehen, schneiden, vertonen

Modul 3: 15.01. – 17.01.2016, Jugendherberge Trier

Kooperationsübungen, Rollen, Sozialisation, Entwicklungsphasen

Planung von Gruppenstunden und deren Durchführung….

Inklusion in der außerschulischen Jugendbildung

Konflikte und Lösungen              

Modul 4: 19.02. – 21.02.2016, Jugendherberge Thallichtenberg

Alles was Recht ist…

Rechtsfragen und Antworten

Erlebnispädagogik: Dunkelparcour

Spiele für die Großgruppe

Modul 5: 15.04. – 17.04.2016, Jugendherberge Festung Ehrenbreitstein

Wir können schon viel…

Jugendverbandsstrukturen

Methoden in der Gehörlosenarbeit

Auswertung und ab in die Praxis

Konfirmandenfreizeit 2016

Am Mittwoch, den 02.03.2016 sind wir um 13:30 Uhr am Friedhof in Langweiler losgefahren.  Nach ungefähr einer Stunde kamen wir in der Jugendherberge in Hochspeyer an. Dann haben wir erst einmal die Zimmer aufgeteilt und uns eingerichtet. Gegen 16 Uhr haben wir uns dann getroffen und sind mit einer Vorstellungsrunde eingestiegen. Dabei wurden einige Fragen geklärt, z.B. „warum wollen wir konfirmiert werden?“ und „was wollen wir in den kommenden knapp drei Tagen alles machen?“

Anschließend spielten wir ein Gruppenspiel bei dem es um das Thema „Gemeinschaft“ ging. Danach beschäftigten wir uns mit unserem gewählten Thema „Abendmahl“.  Darum sollte es schließlich in unserem Vorstellungsgottesdienst auch gehen. Wir sammelten in Kleingruppen, was alles zu einem Abendmahl dazu gehört. Anschließend stellten wir unsere Arbeit im Plenum vor. Hier merkten wir auch, dass das Abendmahl sehr viel mit „Gemeinschaft“ zu tun hat und die Übung vom Anfang deshalb gut dazu passte.

Nach dem Abendessen machten wir eine Übung, die ebenfalls unsere Gemeinschaft stärken sollte. In unserem Gruppenraum war ein riesiges Spinnennetz aufgebaut. Die Aufgabe bestand darin, dass alle der Gruppe von der einen Seite des Netzes auf die andere Seite gelangten. Dabei durfte jedes Loch des Netzes nur ein Mal benutzt werden und wenn jemand das Netz berührte mussten alle wieder auf die Anfangsseite. Erst wenn 5 Leute auf der anderen Seite waren, musste nur der zurück, der das Netz berührt hatte. Für unsere Gruppe war die Übung sehr schwierig. So etwas hatten wir noch nie gemacht! Nach der Übung war es schon fast 22:00 Uhr. Wir haben dann noch gemeinsam ein Feierabendmahl gefeiert. Wir lasen die Geschichte des Auszugs aus Ägypten und die Geschichte des letzten Abendmahls. Beim Feierabendmahl selbst durfte dann nicht geredet werden und niemand durfte sich selbst etwas zu essen holen. Stattdessen musste jeder auf den anderen achten und schauen, was dieser essen wollte. Das war ziemlich ungewohnt. Nach dem Feierabendmahl gingen wir in unsere Zimmer.

Am nächsten Morgen gab es um 07:30 Uhr Frühstück, da wir uns um 08:30 im Gruppenraum trafen, um unseren Vorstellungsgottesdienst vorzubereiten. Zuerst überlegten wir, was alles in einen Gottesdienst hinein gehört. Anschließend besprachen wir unseren Gottesdienstablauf für den Vorstellungsgottesdienst. Dann machten wir Kleingruppen, um die einzelnen Teile des Gottesdienstes vorzubereiten. Es gab eine Gruppe, die sich um die Begrüßung und die Verabschiedung kümmerte, eine die ein eigenes Glaubensbekenntnis verfasste, eine die sich um den Verkündigungsteil kümmerte, eine, die ein Eingangsgebet und die Vorstellung formulierte, sowie einen Psalm auswählte und eine, die sich um die Lesung und die Fürbitten kümmerte. Wir arbeiteten bis nachmittags in unseren Gruppen und präsentierten anschließend alles in der Großgruppe.

Nach dem Abendessen fuhren wir zur Abwechslung nach Kaiserslautern in die Stadt. Dort konnten wir uns in Kleingruppen bewegen. Als wir wieder in die Jugendherberge kamen, schauten wir noch einen Film und gingen dann schlafen.

Am Freitagmorgen wurden die Lieder durchgesungen, ein Gruppenfoto geschossen und ein Spiel gespielt, in dem wir nicht reden durften und uns auf Stühlen stehend sortieren mussten, z.B. nach Alter und Größe. Auch dieses Spiel sollte unsere Gemeinschaft stärken. Das klappte auch schon viel besser als mittwochs. Anschließend gingen wir den Gottesdienst nochmal durch und übten einzelne Teile. Nach dem Mittagessen fuhren wir dann nach Hause. Allen hat es sehr gut gefallen. Die Gruppe hat sich gut verstanden und auch das Thema war durch die vielen Übungen, die Gerold Lofi und Katinka Fries mit uns machten, ziemlich lebendig. Das Haus hat uns zudem sehr gut gefallen.

Lara Pilkan, Laura Urbach und Ruben Mohnke

Ermutigen, Begleiten, Schützen

Qualitätsstandards zum Schutz vor Kindeswohlgefährdung in der
Evangelischen Jugend  im Rheinland


Die Delegiertenkonferenz der EJiR beschließt die Qualitätsstandards zum Schutz vor Kindeswohlgefährdung. Sie beauftragt das Amt für Jugendarbeit, diese Qualitätsstandards umgehend zu veröffentlichen und allen Gliederungen der Evangelischen Jugend  im Rheinland sowie der Kirchenleitung zuzuleiten.
Die EJiR bittet das Dezernat  IV, den Kirchenkreisen zu empfehlen, entsprechend der Qualitätsstandards zu handeln. Desweiteren bittet  die EJiR das Dezernat  IV, sich dafür einzusetzen, dass die Zustimmung zu den Qualitätsstandards in die Musterdienstanweisung für beruflich Mitarbeitende aufgenommen wird.

Die Delegierten verpflichten  sich,
•   die Qualitätsstandards in ihren entsendenden Gremien bekannt zu machen  und ihre Umsetzung voran zu treiben.
•   sich gegenüber den Leitungsgremien in Kirchengemeinden, Kirchenkreisen, Werken und Verbänden für die verbindliche Umsetzung einzusetzen.
•   zur Delegiertenkonferenz im Herbst 2012  über die Ergebnisse zu berichten.

Die Delegiertenkonferenz der EJiR beauftragt den Ausschuss für Aus-, Fort- und Weiterbildung und die Konferenz der Evangelischen Bildungsstätten für Jugendarbeit im Bereich der Evangelischen Kirche im Rheinland mit der Entwicklung und Umsetzung eines geeigneten Fortbildungskonzepts zur Prävention und zum Umgang  mit sexueller Gewalt und Kindeswohlgefährdung. Dies umfasst  auch sexuelle Gewalt unter  Kindern und Jugendlichen.

Die Delegiertenkonferenz der EJiR beauftragt die Geschäftsstelle, die Handreichung „Ermutigen – Begleiten – Schützen“ allen Gliederungen der EJiR kostenlos  zur Verfügung  zu stellen.

Die Delegiertenkonferenz der EJiR bittet die AEJ NRW, die aej Rheinland-Pfalz, die aej-Saar und Evangelische Jugend in Hessen sich die Qualitätsstandards zu eigen zu machen.

Evangelische Jugendarbeit wird in der Beziehung zwischen Menschen und zu Gott gestaltet. Daher ist unsere Arbeit mit Kindern und Jugendlichen von Respekt, Wertschätzung und Vertrauen  geprägt. Wir achten  die Persönlichkeit und Würde  von Kindern und Jugendlichen, gehen  partnerschaftlich mit ihnen um und respektieren individuelle Grenzen.

Die Evangelische Jugend im Rheinland in Kirchengemeinden, Kirchenkreisen, Werken und Verbänden entwickelt und lebt eine Kultur der Achtsamkeit:
Kultur der Achtsamkeit heißt, die Lebenswelten von jungen Menschen wahrzunehmen, Bewusstsein für alle Formen der Gewalt, im Besonderen sexueller Gewalt und Grenzverletzung, zu schaffen,  ihnen entgegen zu treten  und Betroffenen Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen.

Achtsamkeit gilt für alle Akteure: Kinder, Jugendliche, Mitarbeitende, Leitungsgremien, sich selbst und anderen gegenüber sowie in den vorhandenen Strukturen.

In Wahrnehmung unserer  Verantwortung für junge Menschen verpflichten wir uns zur Einhaltung folgender  Standards:

Prävention, Gewaltfreiheit und Partizipation

Kinder und Jugendliche haben  ein Recht auf Mitarbeitende, die sie stärken,  verantwortungsvoll und ermutigend begleiten sowie vor körperlichen und seelischen Schäden schützen.

Unsere Präventionsarbeit soll Kinder und Jugendliche informieren, stärken und ihr Selbstvertrauen festigen. Im Fokus unserer  Arbeit stehen  die Förderung  und Stärkung der Fähigkeiten, der Partizipation und das Prinzip der Gewaltfreiheit. Es gilt eine Kultur des Hinschauens zu etablieren, die sich im Fall des Auftretens  von Gewalt, Grenzüberschreitung und Diffamierung in Sprachfähigkeit und Widerstand äußert.

Wir verstehen Prävention als pädagogische Haltung und nicht als zeitlich begrenzte Maßnahme. Diese Haltung entwickelt sich auf der Grundlage  der Kenntnisse über gesellschaftliche Machtstrukturen und geschlechtsspezifische Sozialisationsbedingungen. Sie beruht  auf der Reflexion der eigenen Lebensgeschichte, auf Umgang  mit und Einstellung zur Sexualität, auf erlebte und ausgeübte Gewalt und auf eigenen Wertvorstellungen. Sie drückt sich in einer altersangemessenen, resilienzorientierten und kontinuierlichen pädagogischen Arbeitsweise aus.

Ein solches Umfeld wirkt präventiv.

Sexuelle Bildung

Kinder und Jugendliche haben  ein Recht, auch als sexuelle Wesen wahr-  und ernstgenommen zu werden  sowie auf sexuelle Bildung.

Das Spannungsfeld von sexueller Selbstbestimmung, Freiräumen und Erfahrungsräumen einerseits und gleichzeitigem Schutz vor Gefahren  andererseits ist eine Herausforderung, der wir uns in Verantwortung für Kinder und Jugendliche stellen.

Nach unserem  Verständnis  ist Sexualität eine gute Gabe Gottes  und gehört  zum Menschen in jeder Phase seines Lebens.
Wir fördern  Kinder und Jugendliche in einem ganzheitlichen Verständnis von Sexualität, welches Körper, Geist und Seele als Einheit wahrnimmt. Wie jede Bildung wird auch sexuelle Bildung in diesem Sinne als Selbsttätigkeit begriffen. Kinder und Jugendliche erfahren  ihren Körper. In der Auseinandersetzung mit sich selbst und anderen stärken sie ihr Selbstwertgefühl. Gleichzeitig erfahren  und setzen  sie dabei Grenzen,  so dass sie Widerstandsfähigkeit und Selbstwirksamkeit also Resilienz ausbilden.
Wir begleiten sie auf ihrem Weg zu sexueller Selbstbestimmung, Verantwortlichkeit und Beziehungs- und Liebesfähigkeit.

Qualifizierung und Fortbildung von hauptberuflich und ehrenamtlich Mitarbeitenden

Kinder und Jugendliche haben  ein Recht auf qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Um diese Qualitätsstandards nachhaltig zu sichern, verankern  wir strukturell regelmäßige Fortbildungen für hauptberuflich und ehrenamtlich Mitarbeitende aller Ebenen. Dabei verstehen wir den Schutz vor Kindeswohlgefährdung als Querschnittsthema.
Die Ausbildungsinhalte der JULEICA sind entsprechend anzupassen und durch Aufbaukurse  zu vertiefen insbesondere Sexualpädagogik, Fragen zu sexueller Gewalt und Kindesschutz. Fachtagungen und (Langzeit-)Fortbildungen für beruflich Mitarbeitende sind zu gewährleisten. Außerdem  empfiehlt die Evangelische Jugend im Rheinland den Leitungsgremien, beruflich Mitarbeitenden Supervision zu ermöglichen.

Umgang mit Mitarbeitenden

Kinder und Jugendliche haben  ein Recht auf sorgfältige Auswahl und Begleitung der Mitarbeitenden durch den Träger.

Das Vorlegen von erweiterten Führungszeugnissen ist für beruflich Mitarbeitende gesetzlich vorgeschrieben. Für alle, die länger als drei Monate in der Kinder- und Jugendarbeit beschäftigt sind z.B. im Praktikum, Freiwilligendienst, empfiehlt die Evangelische Jugend im Rheinland ebenfalls die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses.
Die Evangelische Jugend im Rheinland empfiehlt den Mitarbeitendenteams, eine geeignete Selbstverpflichtung zu erarbeiten und mit dem jeweiligen Leitungsgremium zu vereinbaren. Dabei kann auf bestehende Formulierungen der Evangelischen Jugend  im Rheinland zurückgegriffen werden.
Die Evangelische Jugend im Rheinland lehnt die grundsätzliche Einforderung von erweiterten polizeilichen Führungszeugnissen für ehrenamtlich Mitarbeitende ab. Im begründeten Einzelfall kann davon abgewichen werden.
Im Rahmen  der Bewerbungsgespräche für beruflich Mitarbeitende sind die Qualitätsstandards der Evangelischen Jugend im Rheinland zu thematisieren. Die Evangelische Jugend  im Rheinland empfiehlt,  entsprechende Gespräche  auch mit ehrenamtlich Mitarbeitenden zu führen.  Diese Gespräche  brauchen eine Balance zwischen Wertschätzung und dem Abschätzen  von potentieller Gefährdung.

Krisenmanagement und Trägerverantwortung

Kinder und Jugendliche haben  ein Recht auf transparente, institutionelle Strukturen  und verbindliche Verfahren.  Sie haben  im Falle einer Kindeswohlgefährdung ein Recht auf Mitbestimmung des Verfahrens.

In allen Gliederungen der Evangelischen Jugend ist ein Krisenplan für den Verdachtsfall von Kindeswohlgefährdung und sexueller Gewalt zu entwickeln. Der Krisenplan ist auf die jeweiligen Gegebenheiten und mit den Leitungsgremien abgestimmt. Er ist allen Mitarbeitenden bekannt
zu machen.

Für jeden Kirchenkreis, jedes Werk und jeden Verband  muss mindestens eine qualifizierte Vertrauensperson benannt werden. Die EJiR empfiehlt, wenn möglich, eine Frau und einen Mann  auszuwählen. Die Vertrauenspersonen sind die zentralen Ansprechpersonen in allen Verdachtsfällen von Kindeswohlgefährdung und sexueller Gewalt. Sie leiten entsprechend dem Krisenplan die weiteren Schritte ein.

Handlungsleitend für die Evangelische Jugend sind Opferschutz und Unschuldsvermutung. Anders als in anderen Fällen des Verdachts  auf Kindeswohlgefährdung, bei denen Informationspflicht besteht, bestimmt im Falle des Verdachts  auf sexuelle Gewalt zwingend das Opfer  das Verfahren.

Diese Qualitätsstandards wurden  am 25. September 2011 von der Evangelischen Jugend im Rheinland verabschiedet und werden  aus aktuellem Anlass und in regelmäßigen Abständen, mindestens jedoch alle 4 Jahre, überprüft.

Beschlossen durch die Delegiertenkonferenz der Evangelischen Jugend  im Rheinland am 25. September 2011.  Rechtlich verbindlich ist die im Protokoll der Konferenz ausgefertigte Fassung.

Ergebnisse der Demokratiekonferenz

Problemlagen im Landkreis Kusel

  • Reaktionen auf Erstaufnahmeeinrichtung: Facebookreaktionen, Kusel TV, Stammtische; es gibt aber auch viele positive Reaktionen
  • Gefahr der Isolierung zugezogener Fremder
  • AfD Gründung im LK Kusel
  • Schnelle Formierung einer rechten Szene (Wiederbelebung Kameradschaft in Kusel, Wiederbelebung Potzberg)
  • Antidemokratische Gruppenbildung, z.B. leichter Einstieg über Musik – s. Festival Pfeffelbach
  • Treffpunkt Bahnhöfe – Altenglan, Lauterecken
  • Cyber Mobbing wird immer mehr, Grundschulbereich mittlerweile auch betroffen
  • Geringer werdendes Demokratieverständnis, Demokratie ist einfach da
  • Politikverdrossenheit vor allem bei jungen Menschen
  • Bedrohung von Menschen, die sich gegen rechts engagieren

Ganz konkrete Projekte:

  • Wissensprojekte: Info- und Aufklärungsveranstaltungen für Leitungen von Gemeinden auch VG, Institutionen, Jugendverbänden, Schulen, Stammtischbesuche; Gedenkstätten- und Bildungsfahrten z.B. Berlin, München, Nürnberg; Chatroom zum Cybermobbing als freiwilliges Projekt in Schulen; Jugendhomepage; Demokratietag für junge Menschen
  • Knigge für Eltern und Kinder – Sozialkompetenzen vermitteln, früh beginnen
  • Sozialtrainings in Verbänden und Schulen
  • Verantwortung übernehmen (Dreck weg Tag)
  • Breitensportangebote für alle als verbindendes Glied zur Eingrenzung statt Ausgrenzung
  • Musikworkshop zur Verbindung  mit und durch Fremde
  • Information durch Flüchtlinge in Schulen und Verbänden
  • Kontakt mit Menschen aus Afrika via Skype
  • Jugendgottesdienst, Jugendparlament (Beteiligung in Gemeinden), Konzert auch für Jugendliche im Nordkreis
  • Patenschaften aller Altersgruppen, Einbindung von Menschen mit Behinderungen und Flüchtlingen am Kreiskindertag

Ziele im Projekt:

  • Soziales und gesellschaftliches Engagement  fördern, ganz früh: jedoch nicht nur bei Kindern
  • Sozialkompetenz fördern, Wertevermittlung ermöglichen, respektvoller Umgang miteinander (Vorbildfunktion der Eltern)
  • Bewusstsein in der Öffentlichkeit gegen Alltagsextremismus schaffen, latentes rechtes denken in der Gesellschaft bekämpfen
  • Politik transparenter gestalten – Geschichtsbewusstsein stärken
  • Dorfkultur beleben, zentral statt dezentral (Spielplätze, Grillplätze)
  • Förderung menschlicher Beziehungen, Möglichkeiten der Begegnung suchen, Begegnung über Musik, fremde in Gruppen zu bringen, Generationen zusammenbringen (unterschiedliche Sprache, Mediator, Vermittler)
  • Information und Aufklärung: Flüchtlinge / Asyl, rechte Hintergründe; Bewusstsein für die Lebenssituation von Flüchtlingen / Menschen mit Behinderung schaffen; Vereine sensibilisieren

 

 

Jugendleitercard (Juleica) – Ausbildung auf dem Segelschiff

"Dies alles in einfacher Sprache zu formulieren - wir hatten 4 Menschen mit einer geistigen Behinderung in der Ausbildungsgruppe - war manchmal gar nicht so einfach,“ so Gerold Lofi. "Das war gut so, durch das wiederholen in einfacher Sprache konnte ich überprüfen, ob ich alles richtig verstanden hatte“, so eine Teilnehmerin der Schulung.

Das Segeln stand jedoch im Mittelpunkt. Jeden Tag wurden 500 m² Segel von Hand hochgezogen und mussten nach anstrengenden Wendemanövern am Ende eines Segeltages auch wieder eingepackt werden. "Das ging ganz schön an die Kondition“, so ein Teilnehmer.

Eines wurde allen TeilnehmerInnen jedoch ganz schnell klar: Arbeitet die Mannschaft nicht zusammen, bleibt das Schiff im Hafen liegen. Es kam auf jede und jeden einzelnen in der Mannschaft an. Ein Teamtraining, wie es keine Trockenübung leisten kann. Junge Menschen 6 Tage ohne Fernsehen, ohne Computer und mit Segeln und an 6 Stunden jeden Tag mit Theorie zu den Ausbildungsthemen der Juleica beschäftigt. Die Theorie an der Praxis überprüfen, dies ließ sich durch die Teamarbeit beim Segeln wunderbar durchführen. "Sehen, wie die Gruppe zum Team zusammen wuchs und sich den Herausforderungen stellte, war eine Freude zu beobachten,“ so Gerold Lofi.

Trotzdem war kein Mannschaftsmitglied froh als die Segeltour zu Ende ging. Mit viel Freude, neuen Erkenntnissen und neuer Kraft für die ehrenamtliche Arbeit wurde die Heimreise angetreten.

Segelauspacken am Großmast
Gesamte Gruppe an Deck der Waddensee
Gruppe beim Auswerten eines Planspieles

Toleranter Kreis Kusel

Jetzt Geld für 2014

Bereits seit 2011 ist der Landkreis Kusel Teil des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ und bekommt jährlich Geld für Projekte und Aktionen, die sich gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus richten und für Demokratie und Toleranz einstehen.

Für 2014 sind weitere 90.000 Euro eingeplant. Die Zuteilung vom Bund steht noch aus. Trotzdem können ab sofort neue Anträge gestellt werden. Die Form des Projektes oder der Veranstaltung ist offen: Ein- oder mehrtägig, innerhalb oder außerhalb von Kusel, mit Jugendlichen, Kindern oder offen für alle Bürger und Bürgerinnen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Vom Fußballturnier mit Migranten über den Kochkurs mit jüdischen Rezepten bis hin zur Fahrt in den Berliner Reichstag ist alles denkbar.

Einen Antrag können nicht nur freie Träger der Jugendarbeit, sondern alle Akteure der Zivilgesellschaft – von Kirchen über Vereine und Verbände bis hin zu engagierten Bürgerinitiativen stellen. Es können bis maximal 20.000 Euro beantragt werden. Interessierte können sich mit Gerold Lofi von der Externen Koordinierungsstelle im Evangelischen Jugendreferat des Kirchenkreises Obere Nahe in Verbindung setzen. Er berät und hilft in allen Stadien des Projektes – auch bei der Entwicklung und Antragstellung.

Die Entscheidung ob und wie hoch ein Projekt gefördert wird, fällt der Begleitausschuss in seiner nächsten Sitzung am 10. Dezember.Alle weiteren Infos zum Projekt, sowie das aktuelle Antragsformular unter: www.toleranter-kreis-kusel.de.

Konzentrationslager Natzweiler-Struthof

Es ist kalt an diesem trüben Oktobermorgen. Das Thermometer zeigt knapp über null und die Welt scheint versunken in kühlem Nass. Als der große Reisebus auf den Parkplatz der Realschule Plus in Lauterecken rollt, sitzen die Schüler aus Wolfstein schon drinnen im Warmen. Gemeinsam geht es für die 59 Schüler auf eine Reise in die Vergangenheit. Das Ziel: das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, 55 Kilometer südwestlich von Straßburg.

Eine Reise, die den jungen Menschen vermitteln soll, was unter nationalsozialistischer Herrschaft geschehen ist und wie das System damals funktioniert hat. „Die nachfolgende Generation muss sich darum kümmern, dass die Erinnerungen nicht verloren gehen,“ erklärt Gerold Lofi vom Evangelischen Jugendreferat des Kirchenkreises Obere Nahe, das Ziel der Fahrt. Bedenke man, dass es bald keine Zeitzeugen mehr gäbe, die aus erster Hand von ihren persönlichen Erlebnissen berichten könnten, so sei es umso wichtiger, Jugendliche an Orte wie Struthof zu bringen. Mit sechs anderen Kollegen aus den Schulen und der lokalen Jugendarbeit begleitet Gerold Lofi die Gruppe während der drei Tage. Ein Tag zur Vorbereitung, ein Tag im Lager selbst und ein Tag für die Auswertung. „Die Resonanz und die Warteliste waren groß,“ erläutert Werner Barthel, Kreisjugendpfleger in Kusel, weiter. Alle Schüler hätten sich aus freien Stücken angemeldet und das beweise doch, dass das Interesse, sich mit dem Thema zu beschäftigen, groß sei.

Endlich setzt sich der Bus in Bewegung und knapp zweieinhalb Stunden später erreicht die Gruppe die Jugendherberge von Neuwiller-les-Saverne, wo sie während der Reise wohnen und arbeiten wird. Aufgeteilt in zwei Gruppen geht es unmittelbar an die erste thematische Einheit: Wer bin ich, warum bin ich hier und was erwarte ich? Neugier, Spannung und Angst mischen sich. „Ich habe Angst, dass es ganz schlimm wird und ich mit meinen Gefühlen nicht klar komme,“ gesteht Larissa Franzmann aus Offenheim-Hundheim. Für die Jugendlichen ist der Besuch eine Herausforderung. Keiner hat je ein Konzentrationslager gesehen. „Ich will das mal selbst sehen. Wir kennen nur Bilder aus dem Geschichtsunterricht,“ erklärt Stefan Tomasovic. Die Vorbereitungen auf den anstehenden Besuch laufen den ganzen Tag. Fragen nach den Gründen des Judenhasses und der Vernichtungsstrategie der Nationalsozialisten stehen ebenso auf dem Programm wie die Frage nach dem Wer und dem Warum. Ohne eine gute Vorbereitung, so Gerold Lofi, würde er mit keiner Jugendgruppe in ein Konzentrationslager fahren. „Eine angemessene Begleitung der Jugendlichen, vor, während und nach dem Besuch, ist absolut wichtig,“ erklärt er.

Und dann ist der Tag gekommen. Gegen halb zehn geht es los, zwei Stunden Fahrt nach Natzweiler-Struthof. Die Stimmung im Bus ist besinnlich, aber auch ein ganz kleines bisschen gespannt. Viele hören Musik oder beschäftigen sich mit ihren Handys. Immer weiter hoch geht es, viele Kurven und Steigungen muss der Bus nehmen, um das ehemalige Lager auf einem Gipfel der Vogesen in 800 Meter Höhe zu erreichen. „Warum wurde das Lager ausgerechnet hier gebaut,“ fragt Annette Junkes vom Jugendtreff in Lauterecken, bei der Ankunft. Die Jugendlichen denken nach. „Weil es schwierig ist, von hier oben zu flüchten,“ antwortet ein Schüler. Ein anderer hat sich gut vorbereitet: „Die Häftlinge mussten hier Granitsteine abbauen. Den wollten die Nazis für ihre Bauten nehmen.“ Annette Junkes nickt zustimmend. Langsam geht die Gruppe zum Eingang. Das gut fünf Meter hohe Eingangstor ist aus dunklem Holz gezimmert. Zwischen den Holzstämmen und Latten ist ein dichter Draht gespannt. Rechts des Tores steht ein kleines Häuschen, in dem heute die Kasse ist, links beginnt der hohe Stacheldrahtzaun, der das gesamte Gelände umrandet. Dahinter erhebt sich mahnend das flammenförmige Denkmal, das der 22.000 im Lager Gestorbenen gedenkt. Nach wenigen Metern gibt es erste Rückmeldungen: „Ich hätte es mir schlimmer und viel größer vorgestellt,“ gesteht Freya Lunkenheimer. Sie ist überrascht, wie nüchtern das alles aussieht und wie wenig es sie doch berührt. Als die Gruppe eine halbe Stunde später das Museum betritt, hat sich Freyas Stimmung geändert. Bilder von Häftlingen, Briefe und Texte der Ermordeten sind ausgestellt. Das Grauen bekommt ein Gesicht und die distanzierende Nüchternheit des Geländes ist vergessen. „Jetzt geht’s mir grad gar nicht gut,“ flüstert sie. Es sei schon erschreckend, wenn man die ganzen Gesichter und Menschen sieht, die hier arbeiten mussten und gestorben sind. Die Intensität des Besuches nimmt zu und als die Gruppe zuletzt die Gaskammer am Fuße des Lagers besucht, ist die Stimmung auf dem Nullpunkt. Nachdenklich besteigen die Jugendlichen den Bus. Auf der Rückfahrt ist es still. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Bei der anschließenden Auswertung wird versucht, den Besuch mit seinen vielen Eindrücken zu verarbeiten. „Ich möchte, dass so etwas nie wieder passiert,“ sagt Larissa Franzmann in der großen Runde. Die Stimmung ist gedrückt und es fällt den Jugendlichen schwer, ihre Gefühle und Emotionen in Worte zu fassen. „Weil wir wissen, dass das nicht einfach ist, machen wir eine Kreativeinheit,“ erläutert Werner Barthel. Die Jugendlichen sollen in Kleingruppen ein Bild malen und ihre Bilder anschließend der Gruppe vorstellen. „Da kommen oftmals ganz erstaunliche Ergebnisse heraus und es hilft besser als tausend Worte, das Gesehene zu verarbeiten,“ ergänzt Barthel. Bei der Präsentation zeigt jede Gruppe ihr Bild und erklärt, warum sie genau dieses oder jenes gemalt hat. Alle nehmen sich Zeit und als alles gesprochen ist, beendet Werner Barthel den Tag. Die einen packen ihre Sachen zusammen, die anderen sitzen auf ihren Zimmern und reden. Am nächsten morgen geht es zurück nach Hause. Zurück in eine Gegenwart, in der die Jugendlichen um eine wichtige Erfahrung reicher geworden sind.

Inklusion gestalten - Ehrenamtliche Jugendarbeit fördern -

20 Jugendliche waren in der 2.Ferienwoche dabei, als  zum 3. Mal eine inklusive Schulungsreihe, 1 Woche Segelschiff und 5 Wochenenden in der Bildungsstätte Kappeln, zum Erwerb der Juleica startete.

Eingeladen hatte die Evangelische Jugend im Kirchenkreis Obere Nahe gemeinsam mit dem Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Jugendlichen sollen als angehende Jugendgruppenleiter von Beginn an mit dem Wissen und der Erfahrung einer inklusiven Gruppenarbeit selbst als Gruppenleiter tätig werden. Insgesamt 3 Jugendliche mit Hilfebedarf sowie weitere  Jugendliche mit Migrationshintergrund nehmen an dieser Schulungsreihe teil.

Die erste Woche der mehrteiligen Schulungsreihe begann auf dem Segelschiff. Mit der Sydersee waren  die Jugendlichen und ihre Begleiter auf dem Wattenmeer vor Holland  unterwegs. Sonne und Wind und viele spannende Erfahrungen im Umgang miteinander erlebten die Jugendlichen mit ihren Teamern. Die Vielfalt in der Zusammensetzung der Gruppe führte zu einem belebenden Gruppenprozess.
Die Schulung wird am 1.Juniwochenende fortgesetzt.

Argumente gegen Stammtischparolen

Kappeln. Hartz-IV Empfänger wollen nicht arbeiten und Polen klauen Autos. Sprüche, die jeder von uns schon einmal gehört hat. In der Kneipe, beim Dorffest oder auf einer Geburtstagsfeier. Was tun, wenn einem solche Vorurteile zu Ohren kommen? „Die meisten stehen daneben und sagen nichts.“ meint Erwin Ress, Diplom Sozialarbeiter beim Fanprojekt des 1. FCK Kaiserslautern. „Dabei fängt Zivilcourage mit verbalem Einmischen an.“ Gemeinsam mit Hans-Jürgen Ladinek, Beauftragter für Jugendsachen bei der Polizeidirektion Ludwigshafen, leitete er das eintägige Argumentationstraining, das auf Einladung der Initiative „Tol(l)eranz find ich gut“ am Dienstag in der Freizeit- und Bildungsstätte Kappeln stattfand. Zwanzig haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der Jugendarbeit waren gekommen, um zu lernen, wie sie gegen fremdenfeindliche Parolen argumentieren können. Mit dabei auch Daniel Hübner, seit ersten Februar Jugendpfleger der Verbandsgemeinde Wolfstein. Im Rollenspiel verwandelt er sich in Jeremy-Pascal. Mit zwei Freunden sitzt er am ausgedachten Wirtshaustisch und soll seine Meinung, „Ausländer nehmen uns die Arbeitplätze weg,“ verteidigen. „Das war nicht einfach“ gibt er zu. „Ich musste von einem auf den anderen Moment mit Argumenten schießen, von denen ich ja nicht überzeugt bin.“ Argumente, in denen Hans-Jürgen Ladinek und Erwin Ress den Bodensatz für Minderheitenfeindlichkeit sehen. „Es ist gefährlich, solche Sprüche abzutun, nach dem Motto, „das hab ich ja nicht so gemeint.“ betont Hans-Jürgen Ladinek. „Aus solchen Parolen kann sich was entwickeln.“ Beide hoffen, die Teilnehmer zu einem bewussteren Umgang mit Klischees und Pauschalisierungen gebracht zu haben. Für Daniel Hübner hat sich der Tag gelohnt. Auch wenn ihm in Wolfstein bisher keine Jugendlichen mit fremdenfeindlichen Meinungen begegnet sind, aus seiner Zeit in Landau und Lauterecken kennt er solches Denken. Für die Zukunft fühlt er sich gut gewappnet.

„Ich war Nazi, wie alle anderen auch.“

Helmut Becker mit Ehefrau beim Gespräch in Offenbach-Hundheim.

Zeitzeuge aus Idar-Oberstein spricht über seine Erlebnisse

Offenbach-Hundheim. Aufrecht sitzt Helmut Becker in der Mitte des Tisches. Seine 86 Jahre und den Schrecken, den er während der NS-Zeit erlebt hat, sind ihm nicht anzumerken. Nach dem Gespräch wird ein Jugendlicher sagen, er habe es sich emotionaler vorgestellt. Helmut Becker ist Profi. Seit gut 20 Jahren ist er in Schulen und bei Jugendgruppen unterwegs, um seine Geschichte zu erzählen. Am Dienstagabend hat es ihn auf Einladung der Initiative Tol(l)eranz-findìch gut! nach Offenbach-Hundheim in den örtlichen Gemeindesaal verschlagen. Gut 40 Zuhörer sind gekommen. Für die Veranstalter Gerold Lofi vom Evangelischen Jugendreferat des Kirchenkreises Obere Nahe und Anette Junkes vom Evangelischen Jugendtreff Lauterecken eine freudige Überraschung. „Positiv vor allem deshalb, weil dreiviertel der Zuhörer unter 18 Jahren sind.“ erläutert Gerold Lofi.
Für Helmut Becker sind Jugendliche die Zielgruppe, die er erreichen will.
1942, bei seiner Festnahme durch die Gestapo ist er gerade 16 Jahre alt und steckt mitten in einer Ausbildung zum Goldschmied. Seine Leidenschaft gilt dem Sport. Er ist erfolgreicher Ringer und der einzige Skispringer im ganzen Rheinland. In einem Wehrertüchtigungslager in Obertaufen bringt er Hitlerjungen das Ski fahren bei. Den dafür eingeholten zweiwöchigen Sonderurlaub überzieht er ohne Genehmigung seines Betriebes um acht Wochen. „Als ich nach Hause kam, fragte meine Mutter, was ich verbrochen hätte. Die Gestapo wäre schon zweimal da gewesen.“ Helmut Becker will flüchten. „Aus den Fängen
der Gestapo entkommst Du nicht,“ so ist er sicher. „Egal wie unschuldig du bist oder nicht.“ Noch am Bahnhof in Idar-Oberstein wird er verhaftet. Es beginnt eine Odyssee, die ihn von den Konzentrationslagern Moringen und Sachsenhausen über ein Strafbatallion bei Narbonne bis nach Amerika in die Gefangenenlager Nebraska und Mississippi führt.
Eine Begebenheit im KZ-Moringen macht besonders betroffen. Beim täglichen Ausgang im Hof grüßt er einen Wärter aus purer Gewohnheit mit dem Hitlergruß. „Ich habe nichts anders als den Hiltergruß gelernt. Ich war ein Nazi, wie alle anderen auch.“ Die Antwort ist ein blutiger Faustschlag ins Gesicht. „Du bist hier als Volksschädling und Saboteuer. Du hast kein Recht, diesen Gruß zu machen.“
Helmut Becker verliert zwei Zähne. „An diesem Tag bin ich zum Antinazi geworden und bin es bis heute geblieben.“ 1945 kehrt er nach Idar-Oberstein zurück. Keiner will glauben, was er erlebt hat. Erst KZ-Häftling, dann deutscher Kriegsgefangener in Amerika. „Heute kann man sich so etwas gar nicht mehr vorstellen; und das ist vielleicht auch gut so.“ beendet Helmut Becker seine Geschichte. Es ist still geworden im Raum.
„Zeitzeugen wie Helmut Becker sind ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus,“ betont Gerold Lofi. „Wichtig, weil nicht oft genug erzählt werden kann, was damals passiert ist. Wichtig, weil so etwas nie wieder passieren darf.“ Helmut Becker ist einer der wenigen noch lebenden Zeugen, die den Nationalsozialismus erlebt haben; und es werden immer weniger. Außer ihm gibt es noch zwei polnische Überlebende des Jugendkonzentrationslagers in Moringen. Vor zehn Jahren waren es noch dreißig.

Wir wollten zum Nachdenken anregen

Jugendgottesdienst in Herren-Sulzbach

Ein lautes Klirren und Scheppern durchdringt die Stille des hohen Kirchenraums. Die gut achtzig (es waren über 110 wir haben 110 Liedzettel gedruckt und einige bekamen keine mehr) Besucher des Jugendgottesdienstes in Herren-Sulzbach zucken zusammen. Draußen, im Eingang der Evangelischen Kirche steht Johannes Gauch mit beiden Beinen in einer dunkelblauen Plastikkiste. Mit einem hölzernen Baseballschläger zertrümmert er die Reste einer alten Fensterscheibe. „Wir wollten zum Nachdenken anregen und den Besuchern näher bringen, was damals passiert ist.“ Mit damals meint der 19jährige die Ereignisse um die so genannte Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938. In ganz Deutschland wurden Synagogen, jüdische Geschäfte und Häuser niedergebrannt und zerstört. „Auch in Lauterecken und Umgebung“ ergänzt die 12jährige Nicole Kastner, die ebenfalls zum Organisationsteam des Gottesdienstes gehört, das von Diakon Gerold Lofi geleitet wurde.

Initiiert vom Jugendreferat des Kirchenkreises Obere Nahe, dem Evangelischen Jugendverbund Glan und dem Projekt „To(l)leranz – find ich gut“, haben sich 12 Jugendliche aus den Kirchengemeinden Grumbach und Herren-Sulzbach regelmäßig getroffen und fünf Wochen intensiv an dem Thema gearbeitet. Herausgekommen ist ein ungewöhnlicher Gottesdienst mit Rockband, Rollenspiel und einem Apfelbaum, der zum Gedenken vor die Kirche gepflanzt werden soll. Johannes Gauch spielt die Rolle eines Nazis. Mit schwarzen Springerstiefeln wütet er durch den Altarraum, schmeißt Schuhe und Kleider umher und schimpft dabei über die Juden. „Die Rolle war nicht ganz einfach“ gibt er zu. Besonders das freie Sprechen vor der Menge sei ihm schwer gefallen. Mit Unterstützung der anderen sei es aber ganz gut gegangen, fügt er schmunzelnd hinzu. Auch Nicole sind die Gemeinschaft und das Miteinander wichtig und der Grund, warum sie sich in der kirchlichen Jugendarbeit engagiert und beim Jugendgottesdienst mitmacht. „Mir gefällt das sich einbringen.“ betont sie und fügt stolz hinzu, dass sie die Nachwuchsband Freaky Friday organisiert hat, die den Gottesdienst musikalisch begleitet. Mit „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen und einer nachdenklichen Stimmung geht der Jugendgottesdienst zu Ende. Die jugendlichen Organisatoren sind zufrieden. „Außer ein, zwei kleinen Textpatzern ist alles gut gelaufen.“ meint Nicole Kastner. Während sie als letzte die Kirche verlässt, ist Johannes schon ins Bürgerhaus Herren-Sulzbach vorgegangen. Dort findet der Abschluss des Abends statt – mit jüdischem Essen, der Ausstellung „Auf Lastwagen fortgeschafft“ und einer großen Portion Nachdenken.